Speyerer Hygienetag

Der Speyerer Hygienetag ist ein Fachsymposium für Ärzte, Pflegende aus allen Bereichen sowie Medizinisches Fachpersonal und Mitarbeiter des Rettungsdienstes. Er bietet Informationen zu aktuellen Themen, aber auch zu „Hygiene-Klassikern“ wie der MRSA-Problematik. Ein Schwerpunktziel ist die Förderung der Vernetzung und der engen Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Sektoren des Gesundheitssystems.

Wir möchten Sie unabhängig und ohne Teilnahmebeiträge zu den wichtigen Hygienethemen informieren. Unsere Referenten engagieren sich allesamt ehrenamtlich für den Speyerer Hygienetag. Bitte haben Sie dafür Verständnis, dass deswegen das Programm erst ab dem Herbst 2018 veröffentlicht werden kann und auch eine Anmeldung erst ab diesem Zeitpunkt möglich ist.

Der Speyerer Hygienetag 2018 findet am 21. November 2018 statt.

 

 

Speyerer Hygienetag 2017

Mit einem abwechslungsreichen Programm fand am 22.11.2017 zum achten Mal der „Speyerer Hygienetag“ in der Stadthalle Speyer statt. Ärzte, Pflegende aus allen Bereichen sowie medizinisches Fachpersonal und Mitarbeiter des Rettungsdienstes waren zu interessanten Fachvorträgen und einem Praxis-Workshop rund um die Themen Hygiene und Infektiologie eingeladen.

Dr. Klaus-Peter Wresch, Chefarzt der Anästhesie und Intensivmedizin, trägt als Ärztlicher Direktor die Verantwortung in allen Fragen der Krankenhaushygiene und engagiert sich aktiv für dieses Thema.
„Gerade in den Bereichen Hygiene und Infektiologie gibt es immer wieder neue Forschungsergebnisse, die auch für unsere Praxis relevant sind“, berichtet Dr. Klaus-Peter Wresch, „und genau hier fühlen wir uns der Sicherheit unserer Patienten, aber auch unseren Kollegen verpflichtet. In fünf hochkarätigen Vorträgen wird neustes Fachwissen anschaulich vermittelt.
2017 geht es um die Themen Reinigung, richtige mikrobiologische Diagnostik und den korrekten Umgang mit Gefäßkathetern. Antworten zu der Frage „Was lebt mit uns?“ findet Dr. med. Anne-Marie Fahr, Mikrobiologin aus dem Labor Limbach in Heidelberg, in ihrem Vortrag über das Mikrobiom des Darmes - ein Forschungsgebiet, das erst in den letzten Jahren in den Fokus gerückt ist. Nach zehntausenden von Jahren bewährter Koexistenz von Mensch und Bakterien ermöglicht die Referentin Einblicke in die komplexen Interaktionen, die jeden Tag im Darm stattfinden.
Schnakenbekämpfung ist ein weiteres Thema, das niemanden in Speyer und in der Region kalt lässt. Doch mit dem Klimawandel steht auch die KABS (Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage) e.V. Speyer mit ihrem wissenschaftlichen Leiter Prof. Dr. Norbert Becker vor ganz neuen Herausforderungen. Denn erstmals könnten auch bei uns Stechmücken Überträger von Krankheiten werden. Dr. Becker berichtet über alte und neue Strategien im Kampf gegen die Schnake.
Die Globalisierung macht auch vor Bakterien nicht halt. Wie gefürchtete multiresistente Erreger mit uns um die Welt reisen und sich so immer weiter ausbreiten, beleuchtet der abschließende Vortrag von Dr. Wresch.
„Hygiene ist für uns und alle Kollegen aus medizinischen Bereichen immer wieder eine packende Herausforderung“, weiß Dr. Cornelia Leszinski. „Daher fördern wir mit dem Hygienetag auch die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Sektoren des Gesundheitssystems und freuen uns auf einen regen Austausch.“
Die Teilnahme am Hygienetag ist kostenfrei, da alle Referenten ehrenamtlich vortragen. Die Veranstaltung ist von der Ärztekammer zertifiziert.
Das Hygieneteam des Sankt Vincentius Krankenhauses hat sich zum Ziel gesetzt, Hygiene auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft konsequent in der eigenen Klinik umzusetzen. Gemeinsam mit allen Mitarbeitern finden sie praktikable Wege Hygiene im Arbeitsalltag zu integrieren. Mit der Organisation und Durchführung des Fachsymposium „Speyerer Hygienetag“ bieten die Hygieneverantwortlichen auch Kollegen aus anderen medizinischen Bereichen die neusten wissenschaftliche Erkenntnisse aus dem Bereich Hygiene und Infektiologie verbunden mit praktischen Lösungen für den Alltag.

 

 

Speyerer Hygienetag 2016

Hygiene – nur im Krankenhaus relevant?

7. Speyerer Hygienetag des Sankt Vincentius Krankenhauses

Seit den 1990er Jahren ist das Thema Hygiene immer mehr in den Fokus von Fachleuten und Öffentlichkeit gerückt. Schlagzeilen über Hygieneskandale und immer neue Zahlen über Opfer sogenannter nosokomialer Infektionen haben das Augenmerk zunächst vor allem auf Krankenhäuser gelenkt. Nachrichten über multiresistente Bakterien, die gegen fast alle Antibiotika nicht mehr empfindlich sind, verbreiten Angst und Unsicherheit. Doch gerade im Kampf gegen diese Erreger wurde in den letzten Jahren immer deutlicher, dass Hygiene, wenn sie sich nur auf das Krankenhaus konzentriert, zu kurz greift.

„Wir haben gelernt, dass nur koordinierte Anstrengungen aller Partner im Gesundheitswesen zum Erfolg führen können“, erläutert Dr. Klaus-Peter Wresch, Ärztlicher Direktor des Sankt Vincentius Krankenhauses und dort für die Hygiene verantwortlich. „Darum beschäftigt sich unser siebter Speyerer Hygienetag in diesem Jahr mit Themen aus unterschiedlichen Bereichen außerhalb des Krankenhauses.“ Nicht verwunderlich, dass die über 200 Teilnehmer in großer Zahl auch aus Arztpraxen, Altenpflegeheimen und dem Rettungsdienst den Weg zu dem Symposium gefunden haben.

Dr. med. vet. Christiane Cuny

Unter den multiresistenten Erregern hat es vor allem MRSA als erster sogenannter „Krankenhauskeim“ seit über 50 Jahren zu einer zweifelhaften Berühmtheit gebracht. Aber gibt es diese Bakterien wirklich nur im Krankenhaus? Mit dieser Frage beschäftigt sich Dr. Christiane Cuny im nationalen Referenzzentrum für Staphylokokken des Robert-Koch-Instituts in Wernigerode seit vielen Jahren. Sie berichtete über die zunehmende Bedeutung dieses Keims in der Tiermast, wo der ausufernde Antibiotikaeinsatz die Ausbreitung von Bakterien fördert, die gegen eben diese Antibiotika resistent geworden sind. Auch durch den Umgang mit Tieren vor allem in der Landwirtschaft erreichen multiresistente Erreger wie MRSA die Bevölkerung. Deshalb tauchen immer wieder auch bei jungen Menschen, die noch nie im Krankenhaus behandelt worden waren, Infektionen mit MRSA auf. Diese Kreisläufe zu unterbrechen stellt die Hygiene vor ganz neue Herausforderungen.

Dr. med. Janine Zweigner
Dr. med. Sebastian Kevekordes
Dr. med. Barbara Reinhardt

Auch beim Menschen führt der unkritische Einsatz von Antibiotika zur Entstehung und Ausbreitung immer neuer multiresistenter Bakterien. Etwa 70 % dieser Medikamente werden im ambulanten Bereich verordnet, gerade jetzt im Herbst bei Atemwegsinfekten. Da diese in der Regel aber durch Viren verursacht werden, können Antibiotika gar nicht wirken. Dennoch ist der Druck auf die niedergelassenen Ärzte groß.  Immer mehr Patienten kommen mit konkreten Forderungen nach Antibiotika in die Praxen, weil sie glauben so schneller wieder fit für den Beruf zu werden. Dr. Janine Zweigner aus der Universitätsklinik Köln zeigte in ihrem Vortrag mögliche Wege aus diesem Dilemma auf.

Mit den Anforderungen an die Hygiene im Praxisalltag selbst befasste sich im Anschluss Dr. Sebastian Kevekordes, Krankenhaushygieniker des Klinikums Ludwigshafen.

„Unsere Welt ist auch für neue Krankheitserreger immer kleiner geworden. Als Ärzte müssen wir uns heute hier in Deutschland mit Krankheiten auseinandersetzen, die wir bis vor kurzem kaum dem Namen nach kannten.“, weist Dr. Cornelia Leszinski, Hygienebeauftragte Ärztin im Sankt Vincentius Krankenhaus, auf einen bisher wenig beachteten Aspekt der zunehmenden Globalisierung hin. Der internationale Reiseverkehr bringt Menschen immer häufiger in Kontakt mit vermeintlich exotischen Erregern. Dr. Barbara Reinhardt, Mikrobiologin aus Augsburg, hat sich wissenschaftlich mit Viren beschäftigt.  Von A wie Adeno bis Z wie Zika informierte sie die interessierten Zuhörer über das „Virentreffen im Olympiajahr“.

Nils Fischer
Dr. med. Klaus-Peter Wresch

Auch mit den Flüchtlingen ist die Welt zu uns gekommen. Missverständnisse und Unkenntnis prägen häufig das Zusammenleben verschiedener Kulturen und Religionen. Mit seiner Darstellung der Grundsätze spiritueller Reinheit und Reinigung im Islam gelang Nils Fischer, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Theologisch-philosophischen Hochschule Vallendar, ein wichtiger Beitrag zum interkulturellen Verständnis nicht nur im Kontext des Gesundheitswesens. Aber auch die konkrete Sorge vor der Einschleppung gefährlicher Krankheiten durch Flüchtlinge bewegt die Bevölkerung.

In seinem abschließenden Vortrag beschäftigte sich Dr. Wresch, als Kreisvorsitzender des DRK selbst in Speyer in der Flüchtlingsversorgung tätig, mit realen Gesundheitsgefahren durch Migranten und grenzte diese von unhaltbaren Behauptungen ab, mit denen fremdenfeindliche politische Propaganda immer wieder Ängste der Menschen für ihre Zwecke instrumentalisiert.

Dr. med. Cornelia Leszinski

„Das stetig wachsende Interesse an unserem Speyerer Hygienetag zeigt einmal mehr, welche zentrale Bedeutung das frühere Randthema Hygiene heute in den unterschiedlichsten Lebensbereichen gefunden hat.“ erläutert die Hygienebeauftragte Ärztin des Sankt Vincentius Krankenhauses Dr. Cornelia Leszinski.  „Diese Veranstaltung zeigt wie ernst wir unsere gesellschaftliche Verantwortung dafür über das Krankenhaus hinaus nehmen.“

Speyerer Hygienetag 2015

Mehr Hygiene - weniger Antibiotika

6. Speyerer Hygienetag des Sankt Vincentius Krankenhauses

Am 18. November, dem Europäischer Antibiotikatag, sollte ein brisantes Thema erneut ins Bewusstsein der Bevölkerung gerückt werden. Mit den Antibiotika stehen der Medizin zwar gegenwärtig noch scharfe Waffen gegen bakterielle Infektionen zur Verfügung. Bedingt durch ihren unkritischen und zu häufigen Einsatz nimmt die Zahl Antibiotika resistenter Erreger aber so dramatisch zu, dass uns in letzter Konsequenz sogar der Verlust dieser wichtigen therapeutischen Waffe drohen könnte. In keinem Fall sind Antibiotika geeignet mangelhafte Hygiene zu ersetzen. Grund genug, die Antibiotikatherapie thematisch auch in den Mittelpunkt des Speyerer Hygienetages zu stellen, den das Sankt Vincentius Krankenhaus in diesem Jahr zum sechsten Mal veranstaltete.

In seiner Begrüßung ging der Ärztliche Direktor Dr. Klaus-Peter Wresch ausführlich auf dieses brisante Thema ein. Er wies daraufhin, dass Problembewusstsein und Interesse an Hygiene und Infektiologie in den letzten Jahren haben deutlich zugenommen habe. Wegen des großen Zuspruchs, die die Veranstaltung in den letzten Jahren erfahren hatte und der die räumlichen Möglichkeiten im Vincenz sprengte, fand der Speyerer Hygienetag in diesem Jahr erstmals in der Stadthalle statt. Mehr als 200 Ärzte und andere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Gesundheitswesen haben sich auch in diesem Jahr bei Vorträgen und Workshops informiert und lebhaft diskutiert.

Oberbürgermeister Hans-Jörg Eger dankte in seinem Grußwort dem Sankt Vincentius Krankenhaus für das große Engagement, das eine solche Veranstaltung ermögliche.

Auch in diesem Jahr stießen die beiden Workshops auf großes Interesse, die zur Verfügung stehenden Plätze waren im Vorfeld schnell ausgebucht. Unter dem Motto „Wo Bakterien sich verstecken können...“ vertieften 30 Teilnehmerinnen  und Teilnehmer  unter der Anleitung von Dr. Gregor Jung, Roger Munding, Melanie Anders, Alexandra Obermesser und Stefanie Weiß ihre Kenntnisse im hygienisch einwandfreien Umgang mit Port-Systemen und Blasenkathetern. Gerade hier kann konsequente Hygiene Infektionen vermeiden, zumal Bakterien sich im sogenannten Biofilm, der sich an allen Fremdkörpern ausbildet, „verstecken“ können und dort einer antibiotischen Behandlung kaum zugänglich sind.

 

Etwa 70 % der eingesetzten Antibiotika werden in Deutschland im ambulanten Bereich verordnet, in der Regel zur Behandlung eher harmloser Infektionen. Dabei werden zum Beispiel Atemwegsinfektionen meistens durch Viren ausgelöst, gegen die Antibiotika völlig unwirksam sind. Auch Entzündungen von Blase und Harnwegen, ebenfalls häufig auftretende Infektionserkrankungen, müssen nicht immer gleich mit Breitbandantibiotika therapiert werden. Mit dem Pulmonologen Dr. Oliver Jung und dem Urologen Professor Dr. Gerald Haupt, beide Chefärzte im Sankt Vincentius Krankenhaus, informierten im Rahmen des Speyerer Hygienetages zwei Experten über eine adäquate Therapie dieser Erkrankungen in Klinik und Praxis.

Warum Antibiotikatherapie manchmal funktioniert und manchmal nicht, dieser Frage ging mit Professor Herbert Hof auf den Grund, ein langjährig erfahrener Mikrobiologe und Autor mehrerer Fachbücher zum Thema antimikrobielle Therapie. Auch er warnte vor der leichtfertigen Verordnung von Antibiotika, die nicht ohne Folgen bleibt. Ihr breiter Einsatz weltweit ist verantwortlich für die Ausbreitung von multiresistenten Bakterien, die inzwischen gegen mehr und mehr, manchmal sogar gegen alle bekannten Antibiotika unempfindlich sind. Im Falle lebensbedrohlicher Infektionen steht schließlich kein wirksames Mittel mehr zur Verfügung.

Mit ihren Informationen über die korrekte Aufbereitung von sterilen Instrumenten für Operationen und Endoskopien traf die verantwortliche Ärztin des Gesundheitsamtes Rhein-Pfalz-Kreis Frau Dr. Hübner-Zimmermann ebenfalls ein für Praxen und Krankenhäuser hochaktuelles Thema. „In diesem Zusammenhang freuen wir uns, dass unser Sankt Vincentius Krankenhaus nach jahrelanger Planung in diesen Tagen den Umbau seiner Zentralen Sterilgutversorgung abschließen und sie mit modernster Gerätetechnik ausgestattet wieder in Betrieb nehmen konnte“, ergänzte Dr. Cornelia Leszinski, Hygienebeauftragte Ärztin, die gemeinsam mit dem Dr. Wresch auch in diesem Jahr den Speyerer Hygienetag moderierte. Das Operationsinstrumentarium wird hier von speziell ausgebildeten Fachkräften sorgfältig aufbereitet und sterilisiert. Mit den neuen Geräten gelingt es nicht nur, dem ständig steigenden Sterilisationsbedarf nachzukommen, dank modernster Technik können Energieverbrauch und Reinigungsmittelbedarf deutlich vermindert werden. Das senkt bei bester Prozessqualität nicht nur Betriebskosten, sondern schont vor allem auch die Umwelt.

„Steigende Arbeitsbelastung – muss die Hygiene auf der Strecke bleiben?“ Dieses heiße Eisen fasste Dr. Joachim Großmann an, als Krankenhaushygieniker des Deutschen Beratungszentrums für Hygiene für das Sankt Vincentius Krankenhaus zuständig. Er zeigte auf, wie die Realität in deutschen Krankenhäusern und Praxen wirklich aussieht und welche Wege in Zeiten von Personalknappheit und schwieriger Finanzierung aus diesem Dilemma führen können.

Ein kurzfristiger krankheitsbedingter Ausfall eines Referenten machte eine Programmänderung erforderlich. Professor Hof sprang ein und zeichnete in seinem abschließenden Vortrag den gebannten Zuhörerinnen und Zuhörern in der immer noch voll besetzten Stadthalle ein buntes Bild von der Welt der Pilze in Alltag und Medizin.

Auch der sechste Speyerer Hygienetag war wieder ein Beleg dafür, wie ernst heute Hygiene als zentraler Bestandteil der Patientensicherheit nicht nur bei uns im Sankt Vincentius Krankenhaus genommen wird.

 

 

Speyerer Hygienetag 2014

01. Oktober 2014

„Besser vorbeugen“ gilt auch für Virusinfektionen
5. Speyerer Hygienetag im Sankt Vincentius Krankenhaus

Wieder versetzt ein Virus die Welt in Angst und Schrecken: Ebola. Wie in den Jahren zuvor HIV, Vogelgrippe, SARS, Schweinegrippe,… Die Liste ist lang. Grund genug Virusinfektionen in den thematischen Mittelpunkt des Speyerer Hygienetags zu rücken, den das Sankt Vincentius Krankenhaus in diesem Jahr bereits zum fünften Mal veranstaltete.

Auch der modernen Medizin stehen für die Therapie von Viruserkrankungen nur wenige und oft gering wirksame Medikamente zur Verfügung. Umso größere Bedeutung hat hier die Vorbeugung. Im Zentrum der Vorträge, für die wieder namhafte Referenten aus ganz Süddeutschland gewonnen werden konnten, stand das ganz „normale“ Grippevirus. Denn allein in Deutschland versterben jährlich mehrere tausend Menschen an den Folgen dieser scheinbar harmlosen Infektion. „Das müsste nicht sein“, erläutert Dr. Klaus-Peter Wresch, Ärztlicher Direktor des Sankt Vincentius Krankenhaus. „Anders als bei vielen anderen Viruskrankheiten ist hier mit der Grippeschutzimpfung eine wirksame und gut verträgliche Vorbeugung möglich. Leider nutzen zu wenige Menschen diese Chance. Das gilt insbesondere auch für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Einrichtungen des Gesundheitswesens, die in der Grippe-Saison das Virus an ihre Patienten weitergeben können ohne selbst krank zu sein.“ Hygienemaßnahmen als weitere Form des vorbeugenden Gesundheitsschutzes müssen sich am saisonalen Auftreten vieler Viruskrankheiten orientieren. Mit dem sinnvollen Einsatz persönlicher Schutzausrüstung wie Mund-Nase-Masken bei Grippeepidemien befasste sich ein weiterer Vortrag auf dem Hygienetag-Symposium.

Fast täglich erreichen uns gegenwärtig apokalyptische Fernsehbilder aus den afrikanischen Ebola-Epidemiengebieten mit Erkrankten, mit Sterbenden und den Helfern in Ganzkörperschutzanzügen und Atemschutzgeräten. Ganz aktuell informierte Dr. Barbara Reinhardt aus der Universitätsklinik Ulm außerhalb des geplanten Programms über das Ebola-Virus und die derzeitige epidemiologische Lage.

Sauberes Wasser ist für uns selbstverständlich und damit ein Thema, das es in Deutschland meist nur im Zusammenhang mit Bildern aus der Dritten Welt in die Nachrichten schafft. „Allenfalls der jährliche Zustandsbericht über die Wasserqualität von Badeseen findet noch öffentliches Interesse. In Vergessenheit geraten ist, dass erst der sichere Zugang zu sauberem Wasser auch in Europa zu einem dramatischen Rückgang der Sterblichkeit geführt hat“, betont Dr. Cornelia Leszinski, Hygienebeauftragte Ärztin des Sankt Vincentius Krankenhaus. Diesem wichtigen und aktuellen Kapitel der Hygiene widmete sich der Vortrag von Dr. Wolfgang Kohnen von der Universitätsklinik Mainz.

„Ich weiß wie es geht – warum tue ich es nicht?“ – eine Frage, die man sich auch in der Hygiene Tag für Tag stellen kann. Dr. Sebastian Schulz-Stübner vom Deutschen Beratungszentrum für Hygiene in Freiburg hat sich als Hygieniker und Psychotherapeut intensiv mit diesem Problem befasst und zeigte in seinem Vortrag den etwa 150 Kongressteilnehmern Wege auf, wie die Compliance von Mitarbeitern verbessert werden kann. „Denn Händedesinfektion als wichtigste Hygienemaßnahme ist nur so wirksam, wie wir sie auch dann durchführen, wenn keiner zusieht“, weiß Monika Lenz, Pflegedirektorin des Sankt Vincentius Krankenhauses aus dem Alltag zu berichten.

Dass Fußböden gewischt und Arbeitsflächen desinfiziert werden gehört in unseren Krankenhäusern und Arztpraxen zur Hygieneroutine. Wie aber sieht es auf den Oberflächen aus, die jeder jeden Tag mehr als ein Dutzend Mal in die Hand nimmt – Mobiltelefone, PC-Tastaturen? Roger Munding, seit Jahren als Hygienefachkraft im Sankt Vincentius Krankenhaus auch für Reinigungsprozesse zuständig, berichtete in seinem abschließenden Referat über die Tücken im hygienisch korrekten Umgang mit der sensiblen Elektronik.

„Mit dem fünften Speyerer Hygienetag haben wir in diesem Jahr ein kleines Jubiläum geschafft.“ freut sich der Verwaltungsdirektor des Sankt Vincentius Krankenhauses  Klaus Diebold.  „Das stetig wachsende Interesse an dieser Veranstaltung zeigt wie ernst nicht nur wir hier im Sankt Vincentius Krankenhaus die Hygiene im Sinne der Verantwortung für unsere Patienten nehmen. “

 

 

Speyerer Hygienetag 2013

November 2013

Auch ohne spektakuläre Schlagzeilen und aktuelle Skandale – der „Speyerer Hygienetag“, den das Sankt Vincentius Krankenhaus am 20. November bereits zum vierten Mal veranstaltete, fand großen Zuspruch bei Ärzten und anderen Mitarbeitern aus Krankenhäusern und Praxen, aus Altenpflegeheimen und ambulanten Pflegediensten sowie aus dem Rettungsdienst.

„Das Thema Hygiene muss im Alltag immer mit im Vordergrund stehen“. Dr. Klaus-Peter Wresch, Chefarzt der Anästhesie und Intensivmedizin und als Ärztlicher Direktor für die Hygiene im Sankt Vincentius Krankenhaus  verantwortlich, setzt in Bezug auf Akzeptanz und Umsetzung von Hygienevorschriften auf kontinuierliche Fortbildung und Schulung aller Mitarbeiter im Gesundheitswesen.

„Eine zentrale Bedeutung hat dabei die konsequente Händedesinfektion in allen Alltagssituationen“, betonte auch Dr. Cornelia Leszinski, Chefärztin der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie und Hygienebeauftragte Ärztin. „Waschen allein genügt im Krankenhaus eben nicht.“

Eine besondere Herausforderung im Gesundheitswesen stellen multiresistente Erreger (MRE) und Patienten, die mit ihnen besiedelt sind, dar. Nur selten merken die Betroffenen selbst etwas von diesen Keimen, die gegen die meisten Antibiotika nicht mehr empfindlich sind. Dennoch können von diesen Bakterien Infektionen ausgehen, die dann schwierig zu behandeln sind. „Menschen, die meist in der Nase und auf ihrer Haut mit MRSA besiedelt sind, kann man durch eine gezielte Behandlung davon befreien“. Roger Munding und Annerose Nofz, Hygienefachkräfte des Sankt Vincentius Krankenhauses demonstrierten im Workshop die richtige Anwendung von spezieller Nasensalbe, Rachenspüllösung und Waschlotion. Teilnehmer am Workshop waren auch Mitarbeiterinnen aus Arztpraxen, ambulanten Pflegediensten sowie Alten- und Pflegeheimen, denn MRSA macht an der Krankenhaustür nicht halt.

Pflegedirektorin Monika Lenz betont die enge Verzahnung der verschiedenen Bereiche: „Veranstaltungen wie diese fördern die Zusammenarbeit von ambulanten und stationären Einrichtungen. Sie regen zum Austausch miteinander an und erhöhen das Verständnis für die spezifischen Probleme der anderen.“

Ganz in diesem Sinne widmete sich auch der Vortrag von Privatdozentin Dr. Ursel Heudorf vom Gesundheitsamtes Frankfurt dem Umgang mit multiresistenten Erregern in Seniorenheimen und stationären Pflegeeinrichtungen.

Eine besondere Rolle spielen MRSA auch als Erreger von Wundinfektionen. Von der Haut des Patienten können sie in Operationswunden gelangen und dort Infektionen auslösen. Dr. Thomas Hauer, Ärztlicher Leiter des Deutschen Beratungszentrums für Hygiene (BZH) in Freiburg, das auch das Sankt Vincentius Krankenhaus in allen Hygienefragen berät, geht der Frage nach, ob eine systematische Untersuchung von Patienten auf eine Besiedelung mit solchen Keimen vor geplanten Operationen sinnvoll ist.

Die große Anpassungsfähigkeit von Bakterien, die von harmlosen Kinderkrankheiten bis zu tödlich verlaufenden Infektionen bei verschiedenen Menschen ganz unterschiedliche (oder auch gar keine) Erkrankungen auslösen können, war das Thema von Dr. Klaus Oberdorfer, Mikrobiologe des Labor Limbach in Heidelberg.

In einem zweiten Themenkomplex beschäftigte sich der „Speyerer Hygienetag“ in diesem Jahr mit Bakterien, die bis vor wenigen Jahren nur Spezialisten kannten. Clostridium difficile kommt im Darm vieler Menschen und Tiere vor, ohne schädliche Wirkungen zu verursachen.

Erst wenn unter einer Antibiotikatherapie die meisten Keime der natürlichen Darmflora absterben, verursachen diese Erreger lang anhaltende Durchfälle. Die Häufigkeit und Schwere dieser Infektionen hat in den letzten 10 Jahren zunächst in den USA, dann aber auch in ganz Europa dramatisch zugenommen. Professor Markus Dettenkofer, Leiter des Instituts für Krankenhaushygiene der Universitätsklinik Freiburg stellte diesen, vielen noch unbekannten, neuen Gegner vor.

Auch Professor Winfried Kern als Chef der Infektiologie in Freiburg befasste sich in seinem Vortrag mit Clostridium difficile. Er stellte den Zusammenhang her zwischen dem überschießenden ungezielten Einsatz von Antibiotika und der Vermehrung dieser Bakterien.

Dr. Klaus-Peter Wresch zeigte zum Abschluss des Fachsymposiums am Beispiel des  Sankt Vincentius Krankenhauses auf, wie sinnvolle Überwachungsmaßnahmen auch außerhalb der Universitätskliniken im Alltag helfen können, problematische Entwicklungen schnell zu erkennen und damit gezielt und erfolgreich zu handeln.

„Auch in diesem Jahr gilt unser besonderer Dank den Referenten, die als national und international anerkannte Experten trotz enger Terminpläne die Reise nach Speyer nicht scheuten“, betont der Verwaltungsdirektor des Sankt Vincentius Krankenhauses  Klaus Diebold.  „Sie haben uns wieder gezeigt, dass Hygiene eine wichtige und spannende Herausforderung in unserem Alltag bleibt.“

 

 

Speyerer Hygienetag 2012

 

November 2012

Er ist bereits eine feste Institution: Am  21. November veranstaltete das St.-Vincentius-Krankenhaus schon zum dritten Mal den „Speyerer Hygienetag“. Mehr als 180 Ärzte und andere Mitarbeiter aus Krankenhäusern und Praxen, aus Altenpflegeheimen und ambulanten Pflegediensten sowie aus dem Rettungsdienst informierten sich auch in diesem Jahr wieder aus erster Hand über aktuelle Fragen der Hygiene.

„Wir sind stolz darauf, mit dem ,Speyerer Hygienetag' das Interesse der Kollegen Jahr für Jahr wieder zu treffen. Das zeigt, wie wichtig Hygiene heutzutage nicht nur bei uns genommen wird“, freute sich Dr. Klaus-Peter Wresch, Chefarzt der Anästhesie und Intensivmedizin und als Ärztlicher Direktor für die Hygiene im St.-Vincentius-Krankenhaus verantwortlich.

Die wissenschaftlichen Ergebnisse der letzten Jahre zeigen, was Hygieniker längs wussten: Im Mittelpunkt im Kampf gegen multiresistente Erreger und nosokomiale Infektionen steht in allen Bereichen des Gesundheitswesens die richtige Händedesinfektion. Bundesweite Aktionen wie die Initiative „Saubere Hände“ des Robert-Koch-Instituts, an der auch das St.-Vincentius-Krankenhaus teilnimmt, haben diese einfache Maßnahme in den Mittelpunkt des Fachinteresses gerückt. Doch was in der Theorie ganz einfach klingt, weist in der Praxis seine Tücken auf. „Im medizinischen Bereich müssen bei vielen Arbeiten aus Gründen des Arbeitsschutzes Handschuhe getragen werden. Diese ersetzen aber keineswegs die notwendige Händedesinfektion vor und nach dem Kontakt mit Patienten", erläuterte Roger Munding, Hygienefachkraft im St.-Vincentius-Krankenhaus, die Problematik. Gemeinsam mit seiner Kollegin Annerose Nofz trainierte er im begleitenden Workshop „Tatort Hände“ die Teilnehmer im sinnvollen Umgang mit Handschuhen und Händedesinfektion im Alltag.

Die bundesweiten Initiativen zeigen erste Erfolge. Dank konsequent eingesetzter Hygienemaßnahmen hat die Häufigkeit von MRSA - einer der bekanntesten "Krankenhauskeime" - in Deutschland in den letzten Jahren nicht weiter zugenommen. Dennoch gingen auch in den letzten Monaten wieder „Hygiene-Skandale“ in deutschen Kliniken durch die Presse. So genannte „Multiresistente gramnegative Erreger“ MRGN verursachten mehrere Infektionsausbrüche auf Frühgeborenen-Intensivstationen. Auch im Krankenhausalltag hat die Bedeutung dieser Keime stark zugenommen. Anders als bei MRSA können Isolationsmaßnahmen nicht bei allen diesen Erregern eine weitere Ausbreitung verhindern. Professor Constanze Wendt, Mitglied der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention am Robert-Koch-Institut, informierte unter dem Titel „ESBL heißt jetzt MRGN“ beim „Speyerer Hygienetag“ über die neuesten Empfehlungen im Kampf gegen multiresistente gramnegative Darmkeime.

Längst ist bekannt, dass der unkritische Antibiotika-Einsatz Entstehung und Ausbreitung multiresistenter Bakterienstämme erst ermöglicht. Das gilt nicht nur im Gesundheitswesen, sondern auch in der Tiermast. Auf diese Zusammenhänge ging Dr. Christiane Cuny vom Robert-Koch-Institut in Wernigerode in ihrem Vortrag „Schnitzel mit Beilagen“ ein und erläuterte auch die Risiken der Keimübertragung vom Tier auf den Menschen.

Fern von medienwirksamer Panikmache beschäftigte sich auch Armin Schuster vom Hygieneinstitut der Universitätsklinik Freiburg in seinem Referat „Hilfe, mein Kühlschrank lebt!“ wissenschaftlich mit Infektionsgefahren, die von tierischen und pflanzlichen Nahrungsmitteln, aber auch von Haustieren und erkrankten Mitbewohnern ausgehen können, und zeigte Risiken und sinnvolle Hygienemaßnahmen in Küche und Haushalt auf. 

Neben dem Auftreten multiresistenter Erreger begünstigt der intensive Antibiotika-Einsatz in der Medizin das Auftreten einer weiteren Infektionsform, die bislang vor allem bei immunsupprimierten Patienten zum Beispiel nach Organtransplantationen eine Rolle spielte, in den letzten Jahren aber gehäuft auch bei anderen Patienten vorkam. Pilzinfektionen finden sich vor allem bei Schwerkranken auf Intensivstationen und sind oft schwierig zu erkennen und zu behandeln. Dr. Rainer Höhl aus Nürnberg gab als anerkannter Fachmann auf diesem Gebiet unter der Überschrift „Harmlose Hefe?“ einen Überblick über Candida-Infektionen und die neuesten Behandlungsmöglichkeiten.

Doch der „Speyerer Hygienetag“ wendete sich nicht nur an Krankenhauspersonal. An der Schnittstelle zwischen Kliniken, Arztpraxen und Pflegeheimen sind die Mitarbeiter des Rettungsdienstes besonders häufig mit Trägern von multiresistenten Keimen konfrontiert. Diplom-Ingenieur Peter Klee vom Landesuntersuchungsamt Koblenz stellte die neue rheinland-pfälzische Hygiene-Richtlinie für den Rettungsdienst dar, die für mehr Sicherheit im Umgang mit so genannten „infektiösen Patienten“ sorgen soll. Auch eine lückenhafte Informationsweitergabe erschwert im Alltag einen angemessenen Umgang mit diesen Patienten. „Wir gründen gerade einen Arbeitskreis mit Teilnehmern aus dem Rettungsdienst und aus den Klinken der Region, um die neue Hygiene-Richtlinie gemeinsam in die Praxis umzusetzen und Schnittstellenprobleme zu lösen“, erläuterte Dr. Sebastian Kevekordes vom Gesundheitsamt Rhein-Neckar.

„Transporte von Patienten mit multiresistenten Erregern, zum Beispiel mit MRSA innerhalb und außerhalb des Krankenhauses, stellen ein besonderes Problem dar. Gerade die vollständige ,Vermummung' erzeugt eine falsche Sicherheit bei den Mitarbeitern und lässt den Patienten fälschlicherweise als Gefahr für seine gesamte häusliche Umgebung erscheinen. MRSA wird so zum Stigma und zum Hindernis für normale soziale Kontakte“, weiß auch Dr. Cornelia Leszinski, Hygienebeauftragte Ärztin im St.-Vincentius-Krankenhaus. In ihrem Vortrag "Händedesinfektion am PC" stellte sie ein E-Learning-Konzept vor, das derzeit in Zusammenarbeit zwischen der Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Mainz und dem „Vincenz“ als landesweites Pilotprojekt erarbeitet wird und Krankenhausmitarbeitern den richtigen Umgang mit Trägern von multiresistenten Erregern vermittelt. „Der richtige Gebrauch von Schutzkleidung spart nicht nur Zeit und Geld, sondern kann auch dazu beitragen, psychische Probleme zu vermeiden, unter denen gerade MRSA-Patienten infolge der Isolierungsmaßnahmen häufig leiden", erläuterte Dr. Leszinski.

Das St.-Vincentius-Krankenhaus setzt sich als Mitglied des MRE (= multiresistente Erreger)-Netzwerkes der Metropolregion Rhein-Neckar in besonderem Maße dafür ein, eine Stigmatisierung und Benachteiligung von MRSA-Patienten zu verhindern.  Alle notwendigen Hygiene-Maßnahmen sorgfältig einzuhalten und gleichzeitig den betroffenen Patienten durch intensive Zuwendung ihre schwierige Situation zu erleichtern, empfinden wir im "Vincenz" als besondere Herausforderung.

Wir bedanken uns herzlich bei unseren Referenten, die aus ganz Deutschland zu unserem „Speyerer Hygienetag“ gekommen sind, und bei allen Teilnehmern für ihr Interesse und lebhafte Diskussionen. Wir freuen uns, dass wir gemeinsam wieder einmal erfahren durften, wie spannend und vielfältig das wichtige Thema ,Hygiene' sein kann.

Speyerer Hygienetag 2011

 

November 2011

„Hygienefalle Alltag“ - so lautet der Titel des Workshops im Rahmen des zweiten „Speyerer Hygienetages“, den das St.-Vincentius-Krankenhaus am 23. November 2011 veranstaltete. Teilnehmer waren 160 Ärzte und andere Mitarbeiter aus Krankenhäusern und Praxen, aus Altenpflegeheimen und ambulanten Pflegediensten sowie aus dem Rettungsdienst, die sich im Workshop und in den anschließenden Fachvorträgen von namhaften Fachleuten über Hygiene und die Behandlung von Infektionen informieren ließen.

Längst ist das Thema Hygiene in das öffentliche Bewusstsein gerückt. „Hygieneskandale“ tauchen in den Schlagzeilen auf, Infektionsausbrüche wie EHEC beschäftigen Fachwelt und Medien. Infolge des breiten Einsatzes von Antibiotika entwickeln sich immer mehr Bakterienstämme, die gegen die meisten bekannten Antibiotika nicht mehr empfindlich sind. Deshalb stehen immer weniger wirksame Medikamente zur Behandlung von Infektionen zur Verfügung. Die Entstehung resistenter Bakterien wird begünstigt durch eine unkritische Anwendung von Antibiotika. Hygienemängel führen zur Verbreitung dieser Keime und zum vermehrten Auftreten von nosokomialen Infektionen. Diese Problematik rief jetzt auch den Gesetzgeber auf den Plan. Im Juli 2011 wurde die Novelle des Infektionsschutzgesetzes vom Bundesrat verabschiedet, in dem die Richtlinien des Robert-Koch-Instituts als oberster Hygiene-Instanz in Deutschland quasi Gesetzeskraft erhielten.

„Zwischen Hygiene-Richtlinien und der Realität im Alltag von Krankenhäusern, Arztpraxen und Altenheimen besteht häufig eine große Diskrepanz, wie aktuelle Studien aus der Versorgungsforschung in Deutschland zeigen. Wir setzen uns dafür ein, dass alles für die Sicherheit unserer Patienten getan wird und veranstalten deshalb auch den Hygienetag“, erklärte Dr. Klaus-Peter Wresch, Chefarzt der Anästhesie und Intensivmedizin und als Ärztlicher Direktor für die Hygiene im St.-Vincentius-Krankenhaus verantwortlich. Auch Monika Lenz, Pflegedirektorin, wies auf die aktuelle Problematik im Gesundheitswesen hin: „In Zeiten von Personalmangel und knappen Ressourcen taucht die Frage nach der Umsetzbarkeit von Hygiene immer häufiger auf.“

Der „Speyerer Hygienetag“ will hier Antworten geben. Im Workshop „Hygienefalle Alltag“ trainierten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen alltagstaugliches Hygieneverhalten an den konkreten Beispielen Blutentnahme und Verbandwechsel. „Händedesinfektion ist die wichtigste Hygienemaßnahme im Kampf gegen Krankenhauskeime.“ Roger Munding, Hygienefachkraft des St.-Vincentius-Krankenhauses, kennt die Tücken und Fallstricke aus seiner täglichen Arbeit. Unter seiner fachkundigen Anleitung erkannten die Teilnehmer mit Hilfe spezieller Farblösungen und UV-Licht jeden Fehlgriff selbst. Die korrekte Händedesinfektion wird so selbstverständlicher Bestandteil der täglichen Handlungsabläufe.

 

„Hygiene ist für uns keine lästige Verpflichtung, sondern Ausdruck des Respekts vor unseren Patienten und eine packende Herausforderung“, betonte Dr. Cornelia Leszinski, Hygienebeauftragte Ärztin im St.-Vincentius-Krankenhaus.

Über komplexe Hygienefallen im Alltag berichteten im anschließenden Symposium  kompetente Referenten aus führenden Hygiene-Instituten. Seit Jahrhunderten beunruhigen Epidemien immer wieder die Menschen in Europa. Am Beispiel von EHEC erläuterte Prof. Volker Mersch-Sundermann, Direktor des Instituts für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene der Universität Freiburg, modernes Management einer über die Ländergrenzen hinaus verbreiteten Lebensmittelinfektion, ausgelöst von kontaminiertem Bockshornkleesamen, die bis dahin kaum einer kannte. Er betonte auch am Beispiel anderer Lebensmittelinfektionen den hohen Stellenwert von einfachen persönlichen Hygiene-Maßnahmen wie Händewaschen und sorgfältiger Reinigung von Küchengeräten.

 

2010 gab ein Legionellen-Ausbruch in Ulm Rätsel auf. Dr. Doris Reick vom Landesgesundheitsamt in Stuttgart berichtete über die kriminologische Feinarbeit, die die Hygienefachleute auf die Spur der Bakterien in der Luft brachte und wies immer wieder auf die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten hin, die schließlich zum Erfolg führte.

Mit der Entdeckung des Penicillins 1928 und der Entwicklung immer neuer Antibiotika feierten Ärzte und Patienten im letzten Jahrhundert schon den Sieg über die Bakterien. Von der Ausrottung von Infektionskrankheiten war gar die Rede. Doch der Euphorie folgte Ernüchterung. Vor 50 Jahren trat der erste multiresistente Erreger auf, der gegen die gängigen Antibiotika nicht mehr empfindlich war. Unter dem Namen „MRSA“ trat er bald einen Siegeszug um die Welt an. Die Ärzte mussten erkennen, dass der Entwicklung immer neuer Antibiotika Grenzen gesetzt waren. In diesem Wettstreit mit dem Erreger zeigten holländische Hygieniker einen neuen Weg auf. MRSA siedelt sich mit Vorliebe unbemerkt in der Nase an, ohne den Träger dabei krank zu machen.  Prof. Constanze Wendt, Mitglied der Kommission für Krankenhaushygiene des Robert-Koch-Instituts (KRINKO), stellte in ihrem Vortrag dar, dass systematische bakteriologische Screening-Untersuchungen Infektionen mit MRSA verhindern können. Konsequente Händehygiene und die Isolierung der MRSA-Träger verhindern eine weitere Ausbreitung vor allem in Krankenhäusern. Sie zeigte aber auch, dass  eine gezielte Sanierungsbehandlung von Betroffenen vor allem bei alten Menschen oder Patienten mit chronischen Wunden oft an ihre Grenzen stößt.

Auch die gramnegativen Bakterien  haben den Wettlauf mit den Antibiotika aufgenommen. Dr. Martin Holfelder aus Heidelberg referierte über neue mikrobiologische Strategien gegen sogenannte ESBL-bildende Keime. Auf Dauer kann aber nur eine Einschränkung der kritiklosen Verwendung von Antibiotika aus diesem Dilemma helfen. Der Gesetzgeber hat eine Verpflichtung hierzu in das neue Infektionsschutzgesetz aufgenommen. Eine „Deutsche Antibiotika-Resistenzstrategie“ (DART) wurde vom Bundesgesundheitsministerium ins Leben gerufen.

 

Dr. Klaus-Peter Wresch stellte in seinem Vortrag den Zusammenhang zwischen Antibiotikatherapie und der Entstehung von resistenten Bakterienstämmen dar und erläuterte, wie kritisches Überdenken und Überwachung des Einsatzes von Antibiotika im St.-Vincentius-Krankenhaus bereits Erfolge zeigte.

„In Zusammenhang mit Hygienemängeln tauchen unter den neuen gesetzlichen Voraussetzungen auch immer mehr Haftungsfragen auf“, berichtete Dr. Sebastian Kevekordes vom Gesundheitsamt Rhein-Pfalz-Kreis. Er referierte in seinem Vortrag über die rechtlichen Grundlagen der Hygiene und wies an konkreten Beispielen auf die Fallstricke im Alltag hin. „Die Gesundheitsämter stehen den Krankenhäusern und Arztpraxen auch in diesen Fragen als Partner mit Rat und Tat zur Seite.“

 

Der „Speyerer Hygienetag“ will in diesem Sinne auch ein Forum für fachlichen Austausch und neue Kontakte sein. Wir freuen uns sehr, dass es uns auch in diesem Jahr wieder gelungen ist, ganz unterschiedliche Facetten des spannenden Themas Hygiene aufzuzeigen und bedanken uns bei allen Teilnehmern für anregende Beiträge und lebhafte Diskussionen.


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