ist eine Eigenschaft von Mikroorganismen (Bakterien), die es ihnen ermöglicht, die Wirkung von antibiotisch aktiven Substanzen zu neutralisieren. Viele krankheitserregende Mikroorganismen besitzen eine kurze Generationszeit, ihre Biomasse verdoppelt sich unter günstigen Bedingungen schon innerhalb von 20 bis 30 Minuten. Vorteilhafte Mutationen können so relativ häufig entstehen. Ihre Träger besitzen in Gegenwart von Antibiotika einen deutlichen Überlebensvorteil, so dass die entsprechenden Gene vermehrt verbreitet und auch auf andere Mikroorganismen übertragen werden.
Eine wichtige Ursache für die Entstehung von Antibiotikaresistenzen ist die unkritische Anwendung von Antibiotika beispielsweise gegen banale Erkältungskrankheiten, die in der Regel durch Viren verursacht werden. Antibiotika besitzen keinerlei Wirksamkeit gegen Viren, ihre Gegenwart im Körper fördert aber die Verbreitung resistenter Bakterien (Selektionsdruck).
Eine weitere wichtige Ursache für die Zunahme von Resistenzen ist die prophylaktische Verwendung von Antibiotika und der Einsatz als Wachstumsförderer in der landwirtschaftlichen Tierzucht. Fast die Hälfte der weltweit produzierten Antibiotika wird hier verbraucht. Seit 2006 sind sogenannte Leistungsverstärker oder Mastbeschleuniger EU-weit verboten. Infizierte Tiere dürfen weiterhin mit Antibiotika behandelt werden, auch eine prophylaktische Behandlung des übrigen, nicht infizierten Viehbestandes ist erlaubt. Nach aktuellen Untersuchungen an Schlachtviehbeständen in Deutschland ist beispielsweise MRSA bei etwa zwei Dritteln der Schweine und einem Drittel der Rinder nachweisbar. Eine Übertragung dieser multiresistenten Bakterien auf menschliche Kontaktpersonen ist häufig. 86 % der Schweinehalter und 12 – 45 % der Tierärzte sind infolge dessen selbst Träger von MRSA. (Quelle: Deutsches Ärzteblatt, 11. November 2011). Zudem führt die landwirtschaftliche Ausbringung von Gülle zu einer Zunahme antibiotikaresistenter Bakterien im Boden.
ist ein 2008 veröffentlichtes Konzept des Bundesgesundheitsministeriums, in dem Ziele und Aktionen beschrieben werden, „die Deutschland bei seinen nationalen und internationalen Bemühungen zur Antibiotika-Resistenzbekämpfung in den kommenden Jahren umsetzen wird. (...) Die Hauptursachen für die Zunahme von Antibiotika-Resistenzen sind die unsachgemäße Verordnung und Anwendung von Antibiotika sowie Mängel in der Hygiene. Der sachgerechten Verordnung von Antibiotika durch Ärztinnen und Ärzte oder Tierärztinnen und Tierärzte kommt eine entscheidende Rolle bei der Verminderung des Selektionsdrucks und der Sicherung von Therapieoptionen zu.“
Es werden Maßnahmen beschrieben, die den Hauptursachen der Resistenzentwicklung von Bakterien gegen Antibiotika systematisch entgegenwirken sollen. „Surveillance-Systeme zur Erfassung der Antibiotika-Resistenz und des Antibiotika-Verbrauchs sollen ausgebaut, Verhütungs- und Bekämpfungsmaßnahmen intensiviert, regionale, nationale und internationale Kooperationen auch interdisziplinär gefördert und Wissenschaft und Forschung auf diesem Gebiet verstärkt werden.“
(Quelle: „DART Deutsche Antibiotika-Resistenzstrategie“ des Bundesministeriums für Gesundheit, des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, veröffentlicht unter www.bundesgesundheitsministerium.de)
sind bestimmte krankheitsauslösende Stämme des Darmbakteriums Escherichia coli (E. coli), die beim Menschen blutige Durchfallerkrankungen auslösen können.
Ab Mai 2011 kam es zuerst in Norddeutschland (Hamburg, Schleswig-Holstein), später auch in anderen Bundesländern und Staaten zu einer Häufung und Ausbreitung einer bis dahin nicht bekannten, schweren Verlaufsform eines hämolytisch-urämischen Syndroms (HUS) mit Durchfall, schweren Blutungen und teilweise dauerhafter Nierenschädigung, die sich zu einer Epidemie ausweitete und durch einen speziellen Bakterienstamm O104:H4 ausgelöst wurde. Als Quelle des Erregers gelten mit großer Wahrscheinlichkeit ägyptische Bockshornkleesamen, die als Sprossengemüse Verbreitung fanden. Ende Juli 2011 erklärte das Robert Koch-Institut die Epidemie in Deutschland für beendet.
Parallel zur Entwicklung neuer Antibiotika entwickelten Bakterien Abwehrmechanismen gegen diese Substanzen. Nur wenige Jahre nach Beginn der Penizillin-Ära traten bereits Keime auf, die diesen neuen Wirkstoff mit Hilfe des Enzyms „Lactamase“ spalten und damit unwirksam machen konnten. Durch chemische Veränderung des Penicillin-Moleküls entstanden neue Antibiotika wie Cephalosporine, später auch Carbapeneme und Chinolone, die heute zu den meist verwendeten Antibiotika zählen und zum Teil als Reservemedikamente auch dann wirken sollen, wenn andere Antibiotika versagen. In den letzten Jahren treten nun immer mehr Bakterienstämme auf, die eigentlich als reguläre Bewohner einen wichtigen Teil der menschlichen Darmflora bilden, als Reaktion auf den immer häufigeren Einsatz von Antibiotika aber Enzyme ausgebildet haben, die auch diese neuen Antibiotika unwirksam machen (sogenannte ESBL-Bildner). Wie andere multiresistente Bakterien sind sie für gesunde Menschen im Darm nicht gefährlich. Verursachen sie aber Infektionen (zum Beispiel Harnwegsinfektionen, aber selten auch Lungenentzündungen und Sepsis), sind sie schwierig antibiotisch zu behandeln. Um eine Verbreitung in Krankenhäusern zu vermeiden müssen Menschen, die mit solchen Bakterien besiedelt sind, daher je nach Ausmaß der Bakterienresistenz im Krankenhaus isoliert werden. Da die Keime den Darm besiedeln, ist eine Sanierung in der Regel nicht möglich.
ist eine ständige Kommission am Robert-Koch-Institut, die Empfehlungen zur Hygiene in Einrichtungen des Gesundheitswesens sowie zur Infektionsprävention erarbeitet. Sie setzt sich aus bundesweit anerkannten Experten unterschiedlicher fachlicher Disziplinen zusammen. Ihre Empfehlungen werden im Bundesgesundheitsblatt sowie auf der Homepage des RKI veröffentlicht.
sind im Wasser lebende Bakterien, die für den Menschen als Erreger einer oft schwer verlaufenden Form der Lungenentzündung („Legionärskrankheit“ ) von Bedeutung sind. Legionellen wurden erstmals im Juli 1976 in einem Hotel in Philadelphia entdeckt. Dort erkrankten bei einem Kongress ehemaliger amerikanischer Soldaten (American Legion) 180 von 4400 Delegierten. Die Legionärskrankheit forderte damals 29 Todesopfer.
Legionellen kommen dort vor, wo erwärmtes Wasser ihnen optimale Bedingungen für die Vermehrung bietet. Dies sind z.B. Warmwassererzeugungsanlagen, Kühltürme, Klimaanlagen, Wassertanks, Schwimmbäder oder öffentliche Duschen. Nicht jeder Kontakt mit legionellenhaltigem Wasser führt zu einer Gesundheitsgefährdung. Erst das Einatmen als Aerosol (z.B. beim Duschen, bei Klimaanlagen, durch Rasensprenger oder in Whirlpools) kann zur Erkrankung führen. Dagegen stellt das Trinken von legionellenhaltigem Wasser für Personen mit intaktem Immunsystem keine Gesundheitsgefahr dar.
sind Stämme des Bakteriums Staphylococcus aureus, die gegen alle Penicilline und chemisch verwandte Substanzen resistent sind. Sie sind allerdings in der Regel multiresistent, also auch unempfindlich gegen andere Arten von Antibiotika.
Der „normale“, Methicillin-sensible Staphylococcus aureus (MSSA) kommt fast überall in der Natur vor, auch auf der Haut und im Nasen-Rachen-Raum von 25 bis 30 % aller Menschen. Meist löst er keine Krankheitssymptome aus. Man spricht in diesem Falle von einer asymptomatischen Besiedlung oder Kolonisation der Person mit dem Erreger. Bekommt das Bakterium durch günstige Bedingungen oder ein schwaches Immunsystem die Gelegenheit, sich auszubreiten, kommt es beim Menschen zu Haut- und Muskelinfektionen, in ungünstigen Fällen auch zu lebensbedrohlichen Erkrankungen wie Lungenentzündung, Herzklappenentzündung und Sepsis („Blutvergiftung“). Wenn diese Bakterien Resistenzen gegen mehrere wichtige Antibiotika erwerben (MRSA), sind sie besonders schwer zu eliminieren und können bei Übertragung auf Dritte auch für diese zur Gefahr werden.
MRSA treten in Deutschland in einer Häufigkeit von etwa 0,3–0,7% in der Allgemeinbevölkerung und bei etwa 1–3% der Bewohner von Alten- und Pflegeheimen auf. Aber auch bei landwirtschaftlichen Nutztieren wird eine Besiedlung mit MRSA häufig beobachtet. In wissenschaftlichen Untersuchungen konnte bei etwa 70% der Schweine und 30% der Rinder MRSA nachgewiesen werden, für Geflügel liegen keine Daten vor (Quelle: Deutsches Ärzteblatt, 11. November 2011).
Jährlich werden in deutschen Krankenhäusern ca. 40.000 Fälle von neu erworbenem Methicillin-resistentem Staphylococcus aureus beobachtet, die zu etwa 14.000 Infektionen mit nicht selten schweren Verläufen führen (Quelle: Nationales Referenzzentrum für Surveillance von nosokomialen Infektionen (NRZ) in Berlin).
sind Infektionen, die durch den Aufenthalt oder die Behandlung in einem Krankenhaus oder einer Pflegeeinrichtung verursacht werden. Um eine nosokomiale Infektion sicher feststellen zu können, muss nachgewiesen sein, dass der Patient ohne die Infektion ins Krankenhaus gekommen ist. Dies ist häufig schwierig. In Deutschland gilt daher entsprechend der Definition des Robert-Koch-Instituts eine Infektion, die drei Tage nach Aufnahme des Patienten entsprechende Symptome zur Folge hat, als nosokomial.
Als Ursache für Krankenhausinfektionen spielen das zunehmende Alter der Patienten, eine geschwächte körpereigene Immunabwehr z.B. aufgrund von Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), Behandlung mit Cortison oder Chemotherapien, komplizierte Operationen und invasive diagnostische und therapeutische Maßnahmen mit erhöhtem Infektionsrisiko, aber auch Hygienemängel eine bedeutsame Rolle.
Nosokomiale Infektionen machen einen Großteil aller im Krankenhaus auftretenden Komplikationen aus und haben daher großen Einfluss auf die die medizinische und pflegerische Versorgung der Patienten. Entsprechend müssen sie als ein ernstzunehmendes Problem eines jeden Krankenhauses erkannt werden.
Im Krankenhaus erworbene Infektionen belasten nicht nur den Patienten selbst aufgrund der damit verbundenen Schmerzen und Beschwerden, sie verlängern meist auch den Krankenhausaufenthalt – je nach Art der Infektion im Durchschnitt um vier Tage – und führen damit zu erheblichen Mehrkosten für das Gesundheitssystem. Die wichtigste Maßnahme zur Vermeidung von Krankenhaus-infektionen ist die regelmäßige Durchführung einer hygienischen Händedesinfektion.
Allein in Deutschland kommt es jährlich zu ca. 500.000 nosokomialen Infektionen, die nach Abschätzung des Nationalen Referenzzentrums für Surveillance von nosokomialen Infektionen (NRZ) in Berlin für bis zu 15.000 Patienten die Todesursache waren. Durch die Ausweitung ambulant erbrachter medizinischer Leistungen ist die Bedeutung solcher Infektionen nicht auf den stationären Bereich beschränkt.
ist als Bundesinstitut eine zentrale Überwachungs- und Forschungseinrichtung der Bundesrepublik Deutschland auf dem Gebiet der Krankheitsüberwachung und -prävention. Es ist dem Bundesministerium für Gesundheit direkt unterstellt. Die Kernaufgaben des RKI sind die Erkennung, Verhütung und Bekämpfung von Krankheiten, insbesondere der Infektionskrankheiten, sowie die Formulierung und wissenschaftliche Begründung der erforderlichen Maßnahmen zum wirksamen Gesundheitsschutz der Bevölkerung.
Das RKI wurde 1891 als wissenschaftliche Abteilung des Königlich Preußischen Instituts für Infektionskrankheiten in Berlin gegründet und bis 1904 von Robert Koch geleitet.
In der Novelle des Infektionsschutzgesetzes vom Juli 2011 wurde den in den Ständigen Kommissionen des Robert-Koch-Instituts erarbeiteten Leitlinien und Empfehlungen eine weitgehende rechtliche Verbindlichkeit übertragen, so dass sie heute nahezu Gesetzescharakter innehaben.
Das Robert Koch-Institut wird bei der Ausübung fachlicher und regulatorischer Aufgaben von Kommissionen beraten. Die Kommissionen setzen sich aus bundesweit anerkannten Experten unterschiedlicher fachlicher Disziplinen zusammen.
meint die systematische Untersuchung von symptomlosen Personen auf eine Erkrankung. In der Krankenhaushygiene betrifft dies vor allem die bakteriologische Untersuchung auf eine symptomlose Besiedlung mit multiresistenten Bakterien wie MRSA oder ESBL-bildende Bakterien. Patienten mit einem erhöhten Risiko werden bereits bei der stationären Aufnahme mit Hilfe von Abstrichen (zum Beispiel aus der Nase) getestet um geeignete Maßnahmen einleiten zu können, auch wenn noch keine Infektion mit diesen Bakterien vorliegt. Dazu gehört etwa eine systematische Dekolonisationsbehandlung mit spezieller Nasensalbe und Waschlotion, aber auch gegebenenfalls eine Isolierung der Patienten um eine Weiterverbreitung der Bakterien auf schwer kranke Mitpatienten zu verhindern.